Freitag, 28. März 2008

Workcamp in Auch

MANUE
Haruna *Peace*
...



Ayami, ích, Sebe, Tomoe



Daggy



auf dem heimweg sind noch 4 Mädels mit zu uns für zwei Tage. Hier die Ankunft am bahnhof Montendre.





im Lycée Kureha und Haruna






beschäftigt







Dagmar, Ayami, Sebe und ich








Eröffnung der Ausstellung









im Bus








mit Ryo







bei der Wohnungsparty am letzten Freitag mit den Studentinnen







Koreha und Haruna














warten auf den Zug nach Montendre









in Bordeaux











Haruna











unser Haus von der Rückseite









in unserem Zimmer Greta und Daggy









mein Poster









mit Ayami










mit Tomoe










Ms. Du Pont und Ms. Castera
















Ich bin wieder zurück in Montendre. Nach drei Wochen Auch sind wir am Sonntagabend mit 4 Mädels(einer Deutschen und drei Japanerinen) angekommen. Die 4 wollten uns noch für zwei Tage besuchen bevor sie weiter nach Barcelona gehen. Hier im Haus war das kein Problem, dass wir Leute aus dem Workcamp mitbringen. Es war ja sowieso Ostern und die Permanents waren nicht so sehr präsent. Luc (unser neuer technischer Leiter) wollte sie am Dienstagmorgen(ne halbe Stunde bevor ihr Zug fährt) jedoch schon zur Arbeit am Brotbackofen einteilen nachdem ich ihm spaßeshalber gesagt habe, dass wir neue Freiwillige haben.
Die letzten drei Wochen waren super und ich glaube, es ist schwierig das jetzt hier alles gut zusammenzufassen.

Die Fahrt nach Auch ging schon einmal stressig los. Sebe(der auch geht) war schon am Tag davor nach Bordeaux gegangen und ich traf ihn erst im Zug von Bordeaux nach Agen. Am Samstag hatte ich keine Zeit mehr gehabt zu packen, deswegen wollte ich am Sonntag früher aufstehen um alles noch zu machen. Mein Zug ist um 9.33 Uhr gefahren und ich habe mir meinen Wecker auf 7.10 Uhr gestellt. Danach war ich duschen und frühstücken und als ich dann wieder hochkam war es 8.50 Uhr. Mir lief erst mal ein kalter Schauer über die Schulter. Erst habe ich gedacht die Uhr geht falsch, war aber leider nicht so. Es waren jetzt noch 40 min bis mein Zug abfährt, ich habe noch nicht gepackt und muss noch 25min Fußmarsch(mit meiner Tasche bestimmt) zum Bahnhof einkalkulieren. Wenn das nicht mal ne Extremsituation ist. Jetzt hat jede Sekunde gezählt.
Ich habe in 10min meine Riesentasche für drei Wochen gepackt. Ging eigentlich auch denn ich habe ja nur einen Schrank wo alles nötige drin ist. Dann mit meinem Koffer den sandigen Waldweg zum Bahnhof entlang gerannt und sogar noch rechtzeitig am Bahnhof angekommen. Im Zug habe ich mich dann ausgeruht und mir in der Toilette die Zähne geputzt und umgezogen. Na ja ging alles noch mal gut aber so nen Packstress hatte ich noch nie!
In Bordeaux bin ich dann erstmal 3,5 h rumgegammelt bis ich Sebe im Zug getroffen habe. Von Agen gings weiter mit dem Autobus nach Auch, unserem Zielort.








Während den drei Wochen wohnten wir in La Fernier, abgeschieden neben der Ortschaft Pavie. Wir hatten zwei Häuser zur Verfügung. In dem einen waren neun Freiwillige und in dem anderen 4. Bei uns gab es ein einziges Bad, dass sich neun Personen teilten. Beim Essen wurde immer gefragt wer wann duschen will und nach wem J Man hatte auch die Möglichkeit Duschteams zu bilden ;-)
Unsere Gruppe bestand aus 5 Deutschen(eine war Animatrice), 6 Japaner, 1 Italiener (aus Sardinien) und einer französischen Animatrice. 3 Jungs und 10 Mädels.

Der Grund warum dieses Workcamp stattfand, war eine Ausstellung über die Stellung von Frauen während dem zweiten Weltkrieg.
Das Thema hat sich ja schon einmal sehr interessant angehört, aber es war wohl nicht der Hauptgrund wieso ich an diesem Projekt teilgenommen habe…
Unsere beiden Organisatoren sind Ms. Castera und Ms. Du Pont.








Sie haben das Projekt schon seit langem organisiert und wir waren jetzt da um es mit ihnen umzusetzen. Also eigentlich war jeder Tag schon gut organisiert und wir hatten nicht zu viele Freiheiten.
Jeden Morgen um halb neun ging es los. Mit unserem Minibus nach Pavie und von dort aus mit dem normalen Bus nach Auch(10km). In der Uni hatten wir unseren eigenen Seminarraum. In der ersten Woche kam erst einmal ein Geschichtslehrer, der uns einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse des zweiten Weltkrieges gab. Dies war wirklich sehr interessant, da er sich sehr gut mit allem auskannte und auch für alle möglichen Fragen offen war. Er sprach Französisch und für die Japaner musste immer in Japanisch oder Englisch übersetzt werden. Wenn Ayami (Halb Französin halb Japanerin) eine Pause brauchte, habe ich auch mitgeholfen.
Wenn man es so will war die erste Woche des Workcamps eigentlich eine Informationswoche, wir waren viel unterwegs, haben aktiv aber wenig gemacht(außer übersetzt) und uns eher mit allen Informationen berieseln lassen. So waren wir bei unserem ersten Ausflug in einem Dorf in der Nähe Auchs wo bis 1942 ein Netzwerk der französischen Résistance(Widerstand) verschanzt war. Jeder hat dort der Résistance angehört. Im Juli kamen dann 500 deutsche Soldaten, die das Dorf total zerstörten und es gab nur wenige Überlebende. Mit einem konnten wir sprechen.
Der zweite Ausflug war nach Tarbes, eine Stadt direkt unterhalb der Pyrenäen in das Deportations und Widerstands Museum. Das war beeindruckend. Es war jedes deutsche Konzentrationslager dargestellt, jedoch auf grausame Weise. Die Geschichte Hitlers und des Krieges. De Gaulles Aufruf zum Widerstand, die Befreiung Frankreichs, sowie Résistance Kämpfer. Das krasse war es, dies alles als Deutscher zu sehen. Einige Bilder habe ich schon in meinem Geschichtsbuch gesehen. Drei Zeitzeugen haben in dem Museum über ihre Erfahrungen gesprochen. Eine Frau war in der Résistance. Wenn man von diesen Menschen hört was sie gemacht haben, dann erkennt man erst einmal ihren unglaublichen Mut. Denn wer wusste schon ob sie den nächsten Tag überleben. Niemand! Sie lebten immer in Angst von den Nazis entdeckt zu werden und deportiert. Was auch zu sagen ist, es waren nicht nur die Nazis. Auch das Régime von Vichy, hat seine eigenen Bürger festgenommen und in den Osten geschickt.
Eines Tages musste die Frau einen Brief in ein 20km entferntes Dorf bringen. Sie hatte Angst, denn sie wusste, dass sie an einem Bahnhof vorbeikommt, der voll mit deutschen Soldaten sein wird. Sie hatte Glück und wurde nicht kontrolliert. Den Brief hatte sie in ihrem BH versteckt. Als sie an ihrem Zielort angekommen ist, überkommt sie eine riesige Angst, der ganze Vorhof des Hauses ist voll mit deutschen Soldaten. Sie geht hindurch, klopft mit einem geheim Code an der Tür, übergibt den Brief und geht wieder. Auf der Heimfahrt kommen aus dem Gebüsch plötzlich zwei Soldaten die sie kontrollieren. Wer sind sie? Wo waren sie? Als sie dies überstanden hatte, und um die nächste Kreuzung ist, setzt sie sich erst einmal hin und zittert am ganzen Körper…
Der Mann kam aus Spanien, er hat für die Résistance gekämpft und wurde 1942 gefangen genommen und in das KZ Mauthausen deportiert. Dort müssen sich alle Neuankömmlinge aus Angst vor Infektionen zunächst einmal waschen. Die Nazis forderten, unangezogen aus der Dusche herauszukommen, sodass man auch sehen konnte wer sich gewaschen hat. Der Spanier hatte jedoch sein T-shirt an. Aufgrund dessen wurde er von einem Nazi verprügelt und zum Büro geschleppt. Vor dem Büro waren viele Häftlinge die um den Spanier einen Kreis bildeten und ihn in die Mitte nahmen. Als der Nazi aus dem Büro wieder herauskommt, kann er den Spanier in der Masse nicht mehr finden. Die anderen Häftlinge erzählen ihm später, dass er heute seinen zweiten Geburtstag feiern könnte, denn ohne die Solidarität der anderen würde der Mann heute nicht mehr leben und hätte uns nicht von seinen Erfahrungen erzählen können.
Als Hitler 1942 die Sowjetunion überfällt, hat er zufällig deutsche Generale untereinander sagen hören, jetzt ist der Krieg verloren. Krass…
In dem Museum war ein spezieller Stock ausgestellt mit dem die Häftlinge geschlagen wurde, sie mussten selber zählen und zwar auf Deutsch. Wer in seiner eigenen Sprache zahlte bekam noch einmal einen drauf. Ebenfalls war es mit der Häftlingsnummer beim Appell, wer seine Nummer in Deutsch nicht sagen konnte, wurde verprügelt.
Solche Dinge von einem Zeitzeugen zu hören ist schon beeindruckend. Man ist soweit von der Heimat entfernt und bekommt von Ausländern etwas über seine eigene Vergangenheit erzählt. Schlimm.
Eins möchte ich jedoch sagen, ich habe in den drei Wochen nie ein einziges böses Wort gegen deutsche gehört. Es wurde immer betont, dass 1945 nicht das deutsche, italienische oder japanische Volk besiegt wurde sondern die Ideologien. Das fande ich von den Franzosen die ich getroffen habe sehr beeindruckend. Man hat gegen den Nationalsozialismus gekämpft und nicht gegen die Deutschen. Denn die Deutschen war die ersten Opfer der Nazis.
Unser letzter Ausflug, war ein Gehöft total abgeschieden, dort war auch eine Gruppe französischer Résistance Kämpfer. Durch ein Flugzeug wurde dieses Versteck zufällig entdeckt und an einem Tag gezielt von den Nazis angegriffen, von allen Seiten umrundet. Ein Späher hatte gesehen dass die Nazis kommen und konnte die um die 80 Résistance Kämpfer warnen. Die Nazis hatten gleich den Munitions LKW getroffen und so konnten die 18 bis 24 Jahre alten Männer nur mit dem kämpfen was sie am Leibe trugen. Es war ein Massaker, ein wahres Massaker. Als alles vorbei war, wurden wahllos 4 Männer aus einem nicht weit entfernten Gehöft hergeschleppt und exekutiert. Nur aus diesem Grund, da sie von den Résistancekämpfern wussten und nichts gesagt haben. Unschuldige Menschen. Unglaublich…

Am Freitagabend waren wir in der Bibliothek, dort hat eine Frau, die zwei Jahre im Konzentrationslager Ravensbrück war ihr Buch vorgestellt. Zusammen mit einer Journalistin, schrieb sie über die Zeit im Konzentrationslager. Sie war über 90 und hat nun zum ersten Mal über ihr erlebtes gesprochen.
Am Ende konnte, man noch mit ihr reden. Ich stand mit nem Italiener und zwei Japanern da. Sie hat uns alle gefragt wo wir herkommen. Zum ersten Mal im Leben habe ich mich in diesem Moment dafür geschämt deutscher zu sein. Ein krasses Gefühl.
Sie hat mich dann gefragt wo ich herkomme. Einer anderen Deutschen ging es auch sehr nahe und dann hat die Frau was gesagt, was sich bei mir unglaublich eingeprägt hat. „Man ist nicht für das verantwortlich was seine Eltern oder Großeltern getan haben“. Sie hat Recht, aber trotzdem waren es die Deutschen die sie so gedemütigt haben und sie schert nicht alle Deutschen über einen Kamm. Neue Generationen sind neue Generationen, sind andere Menschen und können nichts für die Vergangenheit.
Zwischen dem Vorgefallenen liegen nur zwei Generationen, es ist nahe aber doch auch fern. Wer weiss was unsere Vorfahren gemacht haben. Von meinen Großeltern weiss ich jedenfalls fast gar nichts. Sie waren im Krieg, aber wo wie und was sie dort gemacht haben, ob sie an Erschießungen teilgenommen haben oder nicht. Keine Ahnung. Für die anderen Deutschen, war der Gedanke, dass ihre Großeltern so etwas gemacht haben sehr hart und so
Entstand noch eine Diskussion über Schuld und Verantwortung. Ich hatte von allen glaube ich die eindeutigste Einstellung. Die meisten Fühlten sich in irgendeiner Weise schuldig oder verantwortlich. Ich fühle mich in keiner Weise verantwortlich dafür was andere vor 60 Jahren gemacht haben. Ich glaube Schuld und Verantwortung ist nicht das richtige Wort, es geht eher um Schande. Man schämt sich dafür dass seine eigenen Vorfahren, sein Volk eigentlich so etwas gemacht hat. Aber ich finde man kann niemanden eine Verantwortung dafür geben, denn nachfolgende Generationen haben nichts damit zu tun.

Das Wochenende war mal wieder gut. Wir waren mit den Studentinnen am Freitag Bowlen, Samstagmittag en Markt besuchen und abends in ner Disco. Am Sonntagmittag haben wir dann im Kino den Film die Frauen im Schatten angeschaut. Hier geht es auch um Frauen in der Résistance während des zweiten Weltkrieges. Es war super interessant, spannend aber auch brutal. Es wurde auch viel Deutsch gesprochen, wenn ein Nazi was gesagt hat, stand nur der französische Untertitel drunter.

In der zweiten Woche ging es darum die Ausstellung zu machen. Es gab vier Gruppen und ich hatte das Thema Einbeziehung der Frauen in den Krieg in Deutschland. Es wurden insgesamt die Themen Frauen als Opfer, Auswirkungen des alltäglichen Lebens, Einbeziehung in den Krieg und Widerstand behandelt. Dies in Deutschland, Japan und ein bisschen Frankreich und Italien.
Die zweite Woche war viel lässiger als die erste. Jeder konnte mehr für sich selbst arbeiten.

In der dritten Woche, waren wir am Montag in einem lycée wo wir uns und unsere Ausstellung mündlich(also ohne Poster) vorgestellt haben. Am Dienstagabend war Eröffnung der Ausstellung in der Uni, es waren viele Leute da und jeder von uns musst etwas sagen. Den Japanern hat man auch einen französischen Satz beigebracht, was aufgrund der Aussprache zu vielen Lachern geführt hat. Vor dem Publikum war dann ne gute Selbstbeherrschung von Nutzen.
Am Mittwoch hatten wir frei und haben irgendwo en Kloster angeschaut.
Am Donnerstagabend war noch eine Konferenz von einem arroganten Intellektuellen der ein Buch über Frauen im zweiten Weltkrieg geschrieben hatte. War ok.
Der Freitag war ein anderes Lycée angesagt wo wir diesmal mit Postern unsere Ausstellung drei Klassen vorstellten.
Das letzte Wochenende hatten wir in Auch bei jemandem eine Wohnungsparty, dies war wirklich der beste Abend von allen.
Am Samstagmittag waren aller Verantwortlichen zum Abschied da und abends kamen die Studentinnen(fünf Studentinnen, ein Student). Am Sonntag ging es dann müde aber mit ner guten Erinnerungen an die super Zeit zurück nach Montendre.
Die Studentinnen haben uns auch einen 30min Fotofilm gemacht.
Die Zeit war einfach genial. Die Gruppe war super, und es wurde soviel gelacht.
Bis auf das Thema war das Workcamp total spaßig, eine super Gruppe und einfach ne unvergessliche Zeit.
Es gibt noch so viele Sachen, die ich hier jetzt nicht erwähnt habe, denn sonst würden noch ein paar Seiten draus werden, aber das wichtigste ist drin. Also das wichtigste was die Arbeit und das Thema des Workcamps angeht. Das ist ja schließlich auch das wichtigste für diesen Blog. Er sollte normalerweise über das Geschehene sachlich informieren und nicht zu detailliert sein. Wer will kann ja gerne den Film anschauen, bin ja im April daheim.
Mit der Gruppe und den Studentinnen war es super toll und es war gut, dass jeder einzelne dabei war.
Die drei Wochen waren einfach toll!!!!!










So jetzt am Ende will ich noch wie versprochen Daggy hier erwähnen. Daggy es war super witzig mit dir im Workcamp und ohne dich wären die drei Wochen nicht so gewesen wie sie gewesen sind. Ich bin froh dich getroffen zu haben und ich hoffe wir bleiben in Kontakt. Wenn du dann in Genf bist kann ich dich ja mal besuchen kommen...

Samstag, 1. März 2008

Martin zu Besuch

So, jetzt schreibe ich endlich mal wieder etwas. Gerade komme ich vom Bahnhof zurück. Martin hat den Zug um 17.34(der 10min Verspätung hatte) nach Bordeaux genommen. Marscholain(keine Ahnung wie man den Namen schreibt) war auch dabei. Sie ist eine Französin, die vielleicht Anfang April ein Volontariat hier macht. Jetzt war sie glaube ich für den Internationalen Abend da. Auch Jean-Baptiste, der versiffte und stinkende Franzose ist mit dem Zug gefahren. Zum Glück, denn er hat die zwei Tage bei uns im Zimmer geschlafen. Er war seit Donnerstag hier, da er seine Fahrprüfung machte, die er natürlich nicht bestanden hatte. Auf dem Heimweg bin ich dann Sebe und Edel(eine witzige Irin aus Dublin) begegnet. Sebe fährt heute schon nach Bordeaux(ein Zug später als Martin), er ist dort bei irgendwelchen freunden heute Nacht. Ich komme dann morgen früh mit dem Zug um 9.33 Uhr nach. Ich hoffe wir treffen uns dann irgendwo denn unser Zug zum Workcamp nach Auch fährt erst um 14.40! Edel ist Mitte der Woche angekommen, sie bleibt für eine Woche und ich habe noch nie jemanden gesehen der soviel redet. Unglaublich. Aber sie ist sehr nett und witzig.
Heute Abend habe ich eigentlich noch viel zu tun. Ein bisschen was für den Blog(der schon lange nicht mehr aktuell ist), mein Koffer für morgen packen, viele e-mails schreiben und telefonieren bevor ich dann für drei Wochen auf dem Workcamp bin. Mal schauen wie weit ich komme.
Also Martin ist am Do den 21.2 Mittags angekommen. Hab ihn natürlich vom Bahnhof abgeholt und fast wäre er nicht ausgestiegen weil die eine Tür geklemmt hat. Der Schaffner hatte schon gepfiffen als er endlich ausstieg.
Im La Maison des Bateleurs haben wir dann erstmal Mittag gegessen und er wurde von allen freudig aufgenommen. Am Nachmittag musste ich im Büro noch en paar Anrufe fertig machen. Habe mit Karo die ganzen Einladungen zum internationalen Abend gemacht. Sie hat die mails geschrieben und einen Flyer entworfen. Sie wollte jedoch nicht telefonieren. Also habe ich das gemacht. Die Arbeit im Büro ist sowieso besser als draußen. Ich hatte eine Liste von Leuten die ich anrufen sollte und sie zu unserem internationalen Abend einladen. Später waren wir dann noch im Dorf. Wir mussten Einladungen beim Rathhaus abgeben. Waren dann auch noch gleich auf der Burg und ich habe ihm unsere Arbeit gezeigt. Am Freitag war dann morgens Arbeit im Garten angesagt. Irgendwas unsinniges hin und her schleppen. Ich glaube wir haben Holzpaletten geschmirgelt, die die Permanents unter Betten haben wollten. Die meiste zeit wurde jedoch Lagerfeuer gemacht und das ganz unnötige Holz oder die kaputten Paletten wurden verbrannt. Nachmittags waren wir bei den Nachbarn und haben Einladungen verteilt und später noch in Montendre.
Am Samstag war Bordeaux angesagt. Mittags Sightseeing und abends Bar plus Disco. Vor dem Grand Theâtre haben uns noch Penner angeredet, was zu einem sehr lustigen Gespräch wurde. Wir hatten eigentlich vor die Nacht im Aufenthaltsraum am Bahnhof zu verbringen. Die Sache war nur, man konnte da nur rein wenn man schon ein Ticket für den nächste Tag hat, was uns nicht zu Gute kam. Um vier waren wir am Bahnhof und erst um sechs machen die Schalter auf um sich ein Ticket zu kaufen. Eine Stunde sind wir irgendwo rumgehangen. Um fünf haben dann die Bahnhofstoiletten aufgemacht. Dort standen wir dann eine Stunde drin, weil’s dort schon wärmer war als an den Gleisen. Die Toilettenfrau hat uns sogar Kekse und nen Kaffee gegeben, echt super nett. Ab sechs hieß es dann Ticket kaufen und noch zwei Stunden bis zu unserem Zug um acht im Aufenthaltsraum auf unbequemen Stühlen pennen. Ach ja abends(hätt ich jetzt fast vergessen) haben wir auch noch Sebe besucht, der war bei ner Party von ner Freundin in Bordeuax.
Der hat auch den ersten Zug genommen. Total kaputt kamen wir dann wieder hier an. Normalerweise sind die Sonntage immer frei doch an diesem Sonntag war Mittags um 14.00 Uhr Fasching. Dort sollten wir als Association La Maison des Bateleurs mitmachen. Das Motto war Olympische Spiele. Bis eins war es aber möglich zu schlafen.
Ich habe meine Kickschuhe und en Deutschland Trikot angezogen. Außerdem hatten vorne alle noch ein Blatt mit ihrem Namen und ihr Flagge drauf. Hinten dann ein La Maison des Bateleurs Emblem. Der Fasching war auch sehr besonders. Was uns am Anfang gleich aufgefallne ist, wir waren die einzigen die das Motto beachtet haben. Naja…
Dann war ein Umzug , nicht allzu weit. So wie ich Umzüge aus Deutschland kenne, war es aber überhaupt nicht. Normalerweise zieht der Umzug durch die Strassen und am Rand stehen Leute die zuschauen. Also durch die Straßen sind wir hier auch gezogen, nur zugeschaut hat niemand. Ich hatte das Gefühl die machen den Umzug nur für sich selber. Später haben sich alle auf einem Platz getroffen, dort hat eine Band aus La Rochelle 12 Lieder gespielt, es wurde ein riesen Feuer gemacht(Tradition) und die Bateleurs haben mit den Kindern gemalt. Ich habe mich da eher rausgehalten.
Am Montag war morgens auch wieder Arbeit im Garten angesagt. Natürlich wieder viel mit Feuer machen verbunden. Mittags hatten wir Hausmeeting(normalerweise immer Freitags). Das war auch draußen und ging bestimmt drei Stunden. Es wird wirklich über alles mögliche gesprochen. Am Anfang eine kurze Runde, wo jeder sagt wie er sich fühlt und wie er die vorige Woche erlebt hat. Dann wird die kommende Woche besprochen, was alles passiert, wer was macht … Manchmal wird dann auch noch über ein bestimmtes Thema diskutiert. An diesem Tag haben sie uns ausführlich über die finanzielle Lage des Hauses informiert, die gerade 30 000 Euro im Minus sind. Sie bekommen jedoch von den anderen Delegationen Geld um normal weiter machen zu können. Das ist halt das gute an Solidarités jeunesses. Manche Delegationen machen Gewinn, manche Verlust und eine hilft der anderen. Wäre das Haus eine eigene Organisation in der Region und keine Nationale, hätten sie schon lange dicht machen können. Auf Grund dieses Geldmangels mussten wir jedoch auch länger auf unser Taschengeld warten.
Abends war ich mit Martin noch im Intermarché was sehr witzig war.
Am Dienstag waren wir Küchenteam. Morgens um 9.30 Uhr hatte ich jedoch einen Termin mit einer Lehrerin im Collège. Die hat uns erst einmal eine halbe Stunde warten lassen, danach war es jedoch sehr positiv. Ich werde jetzt anfangen eine Deutsch AG zu machen. Wahrscheinlich jeden Donnerstag von 12.30 bis 13.30Uhr. Dazu bekomme ich das Klassenzimmer von dieser Lehrerin und sie hat gemeint ich bin frei und kann das machen was ich möchte. Vielleicht kann ich auch noch dem Deutschlehrer mal im Unterricht helfen, das weiss ich aber noch nicht. Auf jeden Fall möchte ich mich bevor ich anfange noch mit ihm treffen um mal zu fragen wie man das alles am besten macht. Voraussichtlich werde ich nach den drei Wochen Workcamp anfangen. Als wir dann heimkamen, haben wir in der Küche noch sehr improvisiert, es gab Kartoffelauflauf mit allem möglichen Gemüse daruntergemischt. Man konnte es danach gut essen und niemand hat sich beklagt. Abends war die Abschiedsparty für Vika(Lettland) sie ist jetzt endlich nach 14 Monaten hier heimgefahren. Wir mussten zum Glück nicht mehr kochen, da alle irgendwas vorbereitet haben. Es kamen dann einige Leute und war ganz ok. Edel(Irin) kam an diesem Abend auch an.
Am Mittwoch haben wir uns frei genommen und sind nach La Rochelle. Das geile war, Jerome(permanent) und Karla(ebenfalls) sind an diesem Tag nach La Rochelle da sie dort drei Meetings hatten. Die konnten uns einfach mitnehmen und wieder zurück. So konnten wir uns schon den Zug sparen. Jerome ist mit uns zu Tourist Office und hat uns einen Stadtplan gegeben wo er alles Sehenswerte gekennzeichnet hatte. Super nett von ihm. Abends um sechs haben sie uns a Bahnhof wieder mitgenommen. Um sechs haben sie uns dann am Bahnhof wieder mitgenommen und Jerome hat uns noch die Brücke zur Ile de Ré gezeigt. Eine Brücke die drei Kilometer lang ist. Er hat erklärt dass dort nur die Reichen wohnen und auch einige Stars dort einen Wohnsitz haben. Dir Brücke zu benutzen kostet 12 Euro und wenn jemand dort wohnt und in La Rochelle arbeitet, wird das auf die Dauer schon teuer.
Ach ja abends sind wir eigentlich immer im Left Room zusammen gesessen. Wie immer halt. Donnerstag früh sind wir dann alle um fünf aufgestanden und mit zwei Autos mit Vika zum Bahnhof gefahren. Die ist nicht in Montendre abgefahren irgendwo ne halbe Stunde von hier. Am Donnerstag waren wir im Shoppingteam. Ein riesen Einkauf, da wir für den internationalen Abend ja viel einkaufen mussten. Jedes Land sollte eine Spezialität vorbereiten. Wir waren auf dem Markt und im Champion, für Sebes Mozarella mussten wir jedoch bis zum Intermarché laufen. Nachmittags war wieder englisch-französisch Kurs mit den zwei Frauen. Den mache ich eigentlich immer mit Übungen aus dem Internet. Edel die Irin war auch da, manche Sachen konnten wir jedoch besser erklären als sie denn in der Schule lernt man die Grammatik natürlich ganz anders. Sie weiss natürlich wie es heißt aber warum man jetzt das verwendet und nicht das na ja…
Der Freitagmorgen war Hausputz. Nachmittags ging dann das Kochen los. Ach ja es gab die Tage im Haus eine Deusche Invasion. Der Freund von Karo ist auch am Donnerstag angekommen und so waren wir vier Deutsche. Ok was kochen. Spätzle wären geil, und so kamen wir auf Kässpätzle. Wir zwei Schwaben wussten natürlich wovon wir reden, die Berliner kennen Spätzle nur aus der Packung. Es gab nur ein Problem wir hatten keine Spätzlepresse. Als wir mal bei meinem Bruder in Bern waren, habe ich gesehen, dass mein Vater Spätzle geschabt hat. Sah gar nicht so schwierig aus und ich hab gedacht, dass müssen wir auch hinkriegen. Habe mich genau an das Rezept meiner Mutter gehalten und es hat auch geklappt. Auch das Schaben. Unsere Berliner sind jedoch auf eine Super Idee gekommen. Eine Spätzlepresse zu bauen. Es wurde eine Dose genommen und mit dem Messer Löcher reingestochen, dann einen kleineren Behälter zum drücken. Das war zwar eine riesen Sauerei, da der Teig manchmal auch oben rausgekommen ist aber es hat geklappt. Danach halt noch mit Käse und Zwiebeln in in den Backofen und fertig waren unsere zum ersten Mal selbstgemachte Käsespätzle.
Der Abend gestern war wirklich einmalig gut. Es gab natürlich super viele Spezialitäten, jeder hat sein Essen vorgestellt und es kamen Leute wie noch nie Sogar um zwei waren noch Gäste da, was für Partys des Maison des bateleurs eigentlich total untypisch ist. Sehr witzig war es mit einer Freundin von Jerome, die sehr gut Deutsch sprach da sie ein Jahr in Bamberg studiert hatte.
Heute war erst einmal sehr langes ausschlafen angesagt. Dann ausgedehntes Frühstück, rumalbern mit Edel und noch mal aufgewärmte Käsespätzle, die auch von den anderen als sehr gut empfunden wurden. Wir haben halt unser schwäbisches Nationalgericht super vertreten.
Ja und dann ging es schon zum Bahnhof und eine sehr gute Woche mit Martin geht zu Ende.
Morgen um halb zehn geht es jedoch schon weiter auf das Workcamp. Also ich kann frühestens wieder etwas in drei Wochen schreiben…

Chantier in Septfonds

wo wir gewohnt haben
am Chantier

Chantier



in Toulouse



zusammen vor dem Maisonette

Am Mo. den 28.01 sind wir losgefahren nach Caussade, in der Nähe von Montauban und ne Stunde von Toulouse. Die fahrt war cool, en schöner Roadtrip. Ich war für die Strecke verantwortlich, hatte die Straßenkarte und das Spritgeld. Von unserem Haus wurde uns gesagt, wir dürften nur Landstraßen(also rue nationale) fahren, denn die autoroutes sind kostenpflichtig. So sind wir losgefahren, von Dorf zu Dorf und Stadt zu Stadt. Auf den Landstraßen kommt man ja dann durch jedes Kaff durch. Die Strecke war insgesamt um die 300km, also ging eigentlich. Wir waren voll bepackt, zu fünft im Auto und irgendwann vor einem, der vielen Kreisverkehre in Frankreich hat uns die Polizei angehalten. Das waren gleih fünf Polizisten auf einmal. Da hatten sie en Fang gemacht. Der Fahrer, Nikola aus Montenegro zeige seine carte de séjour(Aufenthaltsgenehmigung), also alle mussten ihre Ausweise zeigen. Das Problem war nur, dass Vika aus Lettland gar keine Ausweise dabeihatte und Nikola den Führerschein in Montendre vergessen hatte. Wir haben ihnen dann erzählt wo wir hinwollen, das wir Freiwillige sind, von Soliarité Jeunesses, blabla. Haben sie dann auch alles gut verstanden und ganz cool reagiert. Ein weiteres Problem, unsere Versicherung fürs Auto war seit Januar abgelaufen. Wir haben dann hier im Haus angerufen und Nadège hat das mit den Polizisten geklärt, musste die Versicherung dann nachschicken. Aufgrund der Versicherung darf ich eigentlich nicht fahren, da man für fünf Jahre den Führerschein haben muss. Die Polizisten meinten jedoch ich solle weiterfahren, da ich meinen Führerschein dabei hatte. Bin dann weggefahren, bis zum nächsten Parkplatz und dann ist Nikola wieder weitergefahren.
Wenn Nikola fährt, dann fährt er, das heißt, er fährt und liest keine Straßenschilder. So war ich Navigator und habe ihm immer sagen müssen wo es hingeht.
Als wir im Dunkeln am Bahnhof von Caussade ankamen, haben zwei Verantwortliche von der Delegation Citrus schon auf uns gewartet. Es ging dann nach Septfonds(Nachbarort) und dort in der Nähe haben wir dann gewohnt. Die Unterkunft war echt super. Die Hausbesitzer hatten unten eine Wohnung die sie vermieteten. Es war super eingerichtet, großes Esszimmer mit Küche, eine gemauerte Steinwand und sonst alles aus Holz. Es gab zwei Zimmer zum schlafen mit Doppelbetten und in jedem Zimmer einen Fernseher. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Die Dusche war auch sehr nobel, es gab sogar Massagedüsen. Also wirklich besser als in Montendre. Am Anfang hab ich mich wie im Hotel gefühlt.
Am Dienstag kam dann noch Charlotte(Jugendliche mit Schwierigkeiten aus dem Zentrum von Beaumotte). Sie blieb eine Woche und hat mitgearbeitet.
Wie immer gab es wieder Küchenteams, jeweils zwei Personen.
Die Arbeit war in Septfonds, ein kleines Haus(Maisonette) zu renovieren. Dieses kleine Haus soll das zukünftige Büro von der Delegation Citrus werden. Wieso die Delegation Citrus heißt weiss ich bis heute noch nicht. Die Arbeit war klasse.
An dem haus wurde schon sehr lange gearbeitet und wir waren jetzt da um die letzten Sachen zu beenden. Anfang März soll das Büro dann funktionstüchtig sein. Wir haben gestrichen, geschmirgelt, geputzt, für die Abwasserrohre gegraben, die Außenmauer von altem zement befreit, geputzt und wieder neuen drauf, einen Kiesweg gemacht und einen Tag habe ich noch ne große Wurzel die direkt an der Mauer war ausgegraben. Das hat lange gedauert, bis sich der Stamm endlich mal bewegt hat.
Am Wochenende waren wir in Toulouse und haben das angeschaut. Eine die zwei Tage mit uns gearbeitet hat, wohnt dort bei der konnten wir dann schlafen, war echt super nett von ihr.

So wurde viel gearbeitet aber auch mit viel Spaß. Am Freitag(letzter Arbeitstag) war dann abends noch ein Tag der offen Tür, wo Leute aus dem Dorf gekommen sind um unsere Arbeit anzuschauen. Danach sind wir noch in zur ner Bar in Caussade gefahren die eher nicht so toll war.
Am Samstag gings wieder heim. Da Roman(technischer Leiter) seine Schlüssel vergessen hatte mussten wir noch nach Montauban um ihn dort zu treffen. Ich war Copilot und hab auf der Karte nach dem Weg geschaut. Eigentlich war Montauban entgegen unserer Richtung aber dann sind wir halt nen anderen Weg heimgefahren(über Agen und dann quer durch Die Landschaft von Dorf zu Dorf nach Montendre). Es war schon dunkel als wir endlich ankamen.